Thinktank «Wie erreichen wir Menschen ausserhalb der Kirche?»
Als interkonfessionelles Netzwerk brechen wir Silos zwischen Theologie, Medien, Wirtschaft, Kultur und Politik auf. Wir verstehen uns als Impulsgeber, um die Relevanz des christlichen Zeugnisses in allen Gesellschaftsbereichen zu stärken. „Die gezielte Vernetzung von Schlüsselpersonen stärkt die Relevanz & Glaubwürdigkeit des christlichen Zeugnisses in allen Gesellschaftsbereichen,“ meint Gründer und credivo-Präsident Ben Jakob.
Tagungsüberblick Thinktank im März 2026: Einstieg mit kurzen Inputs der beiden Theologen Priscilla Schwendimann und Thorsten Dietz. Anschliessend Interviews mit dem ehemaligen Bundeshaus-Redaktor der NZZ und TagesAnzeiger (seit kurzem verantwortlich für den Bereich «Public Affairs» bei der Heilsarmee), Markus Häfliger; dem Medienbischof Josef Stübi (Mitglied der Schweiz. Bischofskonferenz) und der ehemaligen Stadträtin und Kommunikationsfachfrau Barbara Günthard. Dazwischen wurde ein SRF-Tagesschau-Beitrag mit dem Maler Manuel Dürr aus Biel gezeigt, dessen Bilder den weltweit ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hatten und nun als Kreuzwegbilder während der Passionszeit in der Peterskirche in Rom ausgestellt sind. - Glaubenskommunikation durch Kunst.
Nach dem Networking-Stehlunch wurden in Tischgruppen Fragen zum Tagungsthema diskutiert.
Es folgte ein Input mit Musikbeispielen des bekannten Doku-Filmmusik-Komponisten Martin Villiger über die Wirkung der Musik in der Glaubenskommuniktion; credivo-Vorstandsmitglied Ruedi Josuran interviewte den Regierungsrat aus BL, Thomi Jourdan, und Walter Dürr, (Gründer Zentrum Glaube und Gesellschaft an der Uni Fribourg und Mitglied des credivo-Beirates) stellte das YouTube-Video-Projekt «Christian Story» vor.
Stimmen und Impulse
Pfarrerin Priscilla Schwendimann von der Mosaic-Church in Zürich, antwortete auf die im Tagungsthema gestellte Frage:
«Bevor wir uns mit dem ‹Wie» guter Glaubenskommunikation beschäftigen, braucht es zunächst die Klärung des ‹Wozu: Was genau ist das Ziel unserer Kommunikation, wen wollen wir erreichen – und warum? Die Frage nach dem «Wie› kommt oft viel zu früh und überdeckt dabei die zentralen Fragen nach dem ‹Was›, dem «Warum› und dem «Wozu».
Gleichzeitig ist ihr aber wichtig zu betonen, dass auch das ‹Wie› nicht übersprungen werden darf, sondern einen bewussten Prozess voraussetzt: Zuerst geht es darum, sich selbst wahrzunehmen und den eigenen Standpunkt ehrlich zu reflektieren – auch wenn das schmerzhaft sein kann. Darauf folgt das aktive Zuhören, bevor schliesslich ein gemeinsames Handeln möglich wird.
Menschen ausserhalb der Kirche erreicht man nicht zuerst durch bessere Programme, sondern durch eine veränderte Haltung. Diese veränderte Haltung umschrieb Thorsten Dietz in seinem Kurzreferat wie folgt:
Zuhören statt belehren: Viele Menschen haben Distanz zur Kirche, weil sie sich nicht verstanden fühlen. Wer fragt, zuhört und echtes Interesse zeigt, baut Vertrauen auf. Es geht weniger darum, Antworten zu liefern, sondern gemeinsam Fragen auszuhalten.
Glaubwürdig leben: «Street credibility» entsteht im Alltag: durch gelebte Nächstenliebe, Ehrlichkeit und Engagement für andere. Menschen reagieren stärker auf Taten als auf Worte.
Dorthin gehen, wo Menschen sind: Nicht warten, dass Menschen zur Kirche kommen, sondern ihnen im Alltag begegnen – in Vereinen, sozialen Projekten oder im digitalen Raum. Glaube wird unterwegs sichtbar, nicht nur im Kirchenraum.
Geschichten erzählen: Persönliche Erfahrungen und echte Lebensgeschichten berühren mehr als abstrakte Lehre. Authentische Erzählungen machen den Glauben greifbar.
Hoffnung sichtbar machen: Statt die Welt nur kritisch zu sehen, sollte Kirche zeigen, wo bereits Licht, Liebe und Gerechtigkeit wirken – und daran anknüpfen.
Dialog statt Anspruch: Heute überzeugt nicht mehr der Anspruch, «die Wahrheit zu besitzen», sondern die Bereitschaft, gemeinsam zu suchen.
Kurz gesagt: Menschen erreicht man weniger durch Strategien – sondern durch Beziehung, Authentizität und gelebte Liebe.
Und der katholische Medienbischof Josef Stübi sagte auf die Frage: Wann ist Glaubenskommunikation relevant? «Glaubenskommunikation ist dann relevant, wenn sie Erfahrungen des eigenen Glaubenslebens so in Worte fassen kann, dass sie glaubwürdig und verständlich ankommen.»
Für Thomi Jourdan (Regierungsrat BL) gibt es keine christliche Politik im engsten Sinn. Er praktiziert Glaubenskommunikation auf persönlicher Ebene, wenn es zur Situation passt. Wichtig ist ihm dabei: Jesus sichtbar zu machen durch seine Haltung und seine Werte. Zudem meinte er: «Ich bin Vertreter einer 5% Partei und daher vielleicht nur für 4 Jahre im Amt. In dieser Zeit möchte ich nicht nur meine Aufgaben als Regierungsrat gut bewältigen, sondern auch meinen Glauben bewusst und verständlich kommunizieren.»
Martin Villiger, u.a. bekannt durch seine Filmkompositionen bei SRF-Dokus und Magazin-Sendungen, war es wichtig, mit Musikbeispielen am Flügel zu demonstrieren, wie unterschiedlich Gefühle und Stimmungen sich durch die Musik verändern können. Letztlich komme es weniger auf den Musikstil an, sondern darauf, die Leute dort (musikalisch) abzuholen wo sie sind. Musik als Schlüssel in der Glaubenskommunikation, welche immer noch zu wortlastig ist.
Markus Häfliger (langjähriger Bundeshaus-Journalist) betonte, wie wichtig eine zielgruppenspezifische Ansprache gerade in den Medien sei. Pointiert meinte er: «Wegen dem christlichen Nationalismus in den USA ist der Begriff «evangelikal» für die nächsten 100 Jahre tot!»
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